Geschäftsbericht 2020

Gesamtwirtschaftliche Lage und Branchenentwicklung

  • Auswirkungen der COVID-19-Pandemie prägen Entwicklung der Weltwirtschaft
  • Rückgang der Wirtschaftsleistung in allen Regionen außer China
  • Allgemeiner Nachfragerückgang führt zu deutlichen Umsatzeinbußen in der Premium- und Luxusgüterbranche

Gesamtwirtschaftliche Lage

Im Jahr 2020 war die weltweite wirtschaftliche Entwicklung insbesondere von den Auswirkungen der COVID-19-Pandemie geprägt. So geht der Internationale Währungsfonds (IWF) davon aus, dass die Weltwirtschaft im Jahr 2020 um 3,5 % geschrumpft ist (2019: plus 2,8 %). In der ersten Jahreshälfte lastete vor allem ein deutlicher Nachfragerückgang im Zusammenhang mit den Lockdown- und Quarantänemaßnahmen auf dem allgemeinen Konsum. Geldpolitische Gegenmaßnahmen und umfangreiche Liquiditätsinitiativen konnten den Rückgang der privaten Konsumausgaben nur teilweise ausgleichen. Zudem setzten Unternehmen im Zuge der anhaltend hohen Unsicherheiten frühzeitig geplante Investitionen vorübergehend aus. Im zweiten Quartal erreichte die globale Wirtschaftsleistung einen vorübergehenden Jahrestiefpunkt, erholte sich jedoch infolge der Aufhebung der ersten Lockdowns sukzessive im weiteren Jahresverlauf. Davon profitierte insbesondere der private Konsum mit einer starken Erholung im dritten Quartal. Gegen Ende des Jahres lasteten ein erneuter Anstieg der Infektionen und wiederholte Lockdowns, insbesondere in weiten Teilen Europas auf der Entwicklung der Weltwirtschaft.

1 Schätzung IWF.
2 Ohne Japan.

Die Wirtschaft der Eurozone ist laut Schätzung des IWF im Jahr 2020 um 7,2 % geschrumpft (2019: plus 1,3%). Dabei haben sich Länder wie Deutschland mit einer vergleichsweise großen Fertigungsindustrie besser entwickelt als jene, die wirtschaftlich stark vom Dienstleistungs- und Tourismussektor abhängig sind, wie etwa Italien und Spanien. Auch Frankreich, wo der erste Lockdown besonders lang andauerte und das gegen Ende des Jahres frühzeitig einen zweiten Lockdown implementierte, hat sich vergleichsweise schwach entwickelt. Gleiches gilt für Großbritannien, dessen Wirtschaftsleistung laut IWF im Jahr 2020 sogar um 10,0 % zurückgegangen ist (2019: plus 1,4 %). Um die negativen Effekte der Pandemie abzufedern, haben Entscheidungsträger auf nationaler Ebene sowie die Europäische Zentralbank frühzeitig umfassende geldpolitische Maßnahmen ergriffen und damit den Grundstein für eine Erholung der Wirtschaft im Jahr 2021 gelegt.

Nach Ansicht des IWF ist die Wirtschaft in den USA im Jahr 2020 um 3,4 % geschrumpft (2019: plus 2,2 %). Nachdem die wirtschaftliche Entwicklung im April ihre Talsohle erreicht hatte, erholte sich die Konjunktur mit Beendigung der Lockdown-Maßnahmen zunehmend im weiteren Jahresverlauf. Zudem haben umfangreiche Konjunkturmaßnahmen wie etwa finanzielle Entlastungen von kleinen und mittleren Einkommen die Wirtschaft im Jahresverlauf angekurbelt. Der erneute Anstieg der COVID-19-Fallzahlen gegen Jahresende lastete jedoch auf der weiteren Wirtschaftsentwicklung. Auch die Konjunktur der Länder Lateinamerikas wurde 2020 erheblich von den Auswirkungen der Pandemie beeinträchtigt, wobei die wirtschaftliche Erholung dort nur vergleichsweise langsam in Schwung kommt.

In China hat sich die Wirtschaft nach dem Lockdown im ersten Quartal vergleichsweise rasch erholt und konnte auf Jahressicht sogar Wachstum verzeichnen. Laut Schätzungen des IWF belief sich das Wirtschaftswachstum Chinas im Jahr 2020 auf 2,3 % (2019: 6,0 %). Insbesondere die chinesische Industrieproduktion ist seit Mitte des Jahres stark gewachsen und damit zum Motor der Erholung geworden. Dabei unterstützten umfangreiche geld- und fiskalpolitische Maßnahmen die Konjunkturentwicklung. In Japan, wo der Lockdown vergleichsweise lange andauerte, erholen sich die wirtschaftlichen Aktivitäten hingegen deutlich langsamer.

Branchenentwicklung

Das Jahr 2020 war für die globale Bekleidungsindustrie stark von den Auswirkungen der Pandemie geprägt. Umsatzeinbußen infolge des allgemeinen Nachfragerückgangs, verstärkte Rabattaktivitäten und ein sich veränderndes Kundenverhalten haben dabei die Branche vor große Herausforderungen gestellt. In einer gemeinsamen Studie schätzen The Business of Fashion und die Unternehmensberatung McKinsey & Company, dass der von den Unternehmen der globalen Bekleidungsindustrie im Jahr 2020 erzielte Gewinn in Summe um 93 % gesunken ist verglichen mit einem Anstieg von 4 % im Vorjahr. Dabei hat sich das gehobene Premiumsegment der Bekleidungsindustrie, das für HUGO BOSS den besten Vergleichsmaßstab darstellt, schwächer entwickelt als das Luxussegment. Dies liegt vor allem daran, dass sich die Unsicherheiten im Rahmen der Pandemie weniger auf vermögende Kunden des Luxussegments ausgewirkt haben. Darüber hinaus haben sich Unternehmen mit einem vergleichsweise hohen Umsatzanteil in Asien und einem stark ausgeprägten Onlinegeschäft im Jahr 2020 relativ gesehen besser entwickelt.

Regional betrachtet wies die Branchenentwicklung große Unterschiede auf. Während die meisten Märkte in Asien/Pazifik, darunter Australien, Japan und Südostasien, von weitreichenden Storeschließungen betroffen waren, kehrten die Branchenumsätze auf dem chinesischen Festland bereits im zweiten Quartal zu Wachstum zurück. Dies wurde vor allem durch eine Rückführung der lokalen Nachfrage, rückläufige Infektionszahlen sowie ein insgesamt positives Konsumklima angetrieben.

Während auch in Europa die Nachfrage nach Premiumbekleidung gegen Ende des zweiten Quartals wieder anzuziehen begann, schritt die Erholung im Vergleich zu der auf dem chinesischen Festland deutlich langsamer voran. Im vierten Quartal führten erneute Lockdowns sowie die in diesem Zusammenhang erfolgten temporären Storeschließungen in wichtigen europäischen Märkten wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien zu einer neuerlichen Belastung der Branchenentwicklung. Seit Beginn der Pandemie lastet zudem der Einbruch des internationalen Reiseverkehrs spürbar auf den Branchenumsätzen, insbesondere in den Märkten Südeuropas sowie in wichtigen europäischen Metropolregionen.

In Amerika wirkten sich die finanziellen Auswirkungen der Pandemie und die lang anhaltenden Storeschließungen bis weit in das dritte Quartal negativ auf die allgemeine Branchenentwicklung aus. Zusätzlich hatten Unruhen und Demonstrationen zur Jahresmitte das Konsumklima im US-Markt beeinträchtigt. Erst gegen Ende des Jahres sorgten die konjunktur- und finanzpolitischen Maßnahmen für eine spürbare Verbesserung der Branchenentwicklung in den USA. In Kanada, das gegen Jahresende unter erneuten Lockdowns und Storeschließungen litt, entwickelte sich die Branche hingegen vergleichsweise schwächer.

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